Fangsong

Fangsong (Entspannen/Loslassen) wird oft als das erste und wichtigste Prinzip im Taijiquan genannt, an dem sich das Niveau des Praktizierenden zeigt. Man sagt auch, es ist „der Eintritt in das Tor“ der inneren Kampfkünste. Es meint eine physische und psychische Entspannung im Alltag und in der Kampfkunst und ist unter anderem Voraussetzung im Tui Shou (Push Hands).

„If someone understands the true meaning of Fangsong in Taijiquan, he will become invincible”

(Sprichwort der Chen-Familie)

Der tatsächlichen Bedeutung von Fangsong in den Kampfkünsten wird oft zu wenig Beachtung geschenkt, so gilt es doch als wichtigste Fertigkeit, um innere statt äußere Kraft nutzbar zu machen.

Aber auch in einer viel früheren Stufe ist der Nutzen dieses Prinzips gegeben. Berufsbedingte einseitige Belastung oder jahrelange Fehlhaltungen können Verspannungen und Stagnation des Qi´s zur Folge haben. Die Übung der korrekten Körpermechanik und Struktur in der Taijiquan-Form und im Qigong kann diese negativen Auswirkungen verhindern und schult das bewusste Öffnen und Loslassen von Körper und Geist. Negative Emotionen werden durch Loslassen und Verzeihen abgelegt. „Vergeben, vergessen und ziehen lassen“ als Haltung gegenüber diesen Belastungen. Die Daoisten praktizieren seit hunderten von Jahren Übungen, negative Gedanken und Emotionen zu transformieren. Beim „Entspannen“ wird der Körper bewusster wahrgenommen, Verspannungen eher erkannt und gelöst. Im Taijiquan und Qigong werden Gelenke „geöffnet“, Atem beruhigt und Qi kann in Dantian sinken. Das Prinzip des Fangsong muss stets gegenwärtig sein. Jedoch darf man nicht verbissen und mit aller Energie daran arbeiten, da diese Haltung ja wider dem „Loslassen“ und dem „wu wei“ wäre und so mehr Energie verschwenden als aufbauen würde. Aus Yin (weich) entsteht Yang (hart). Übertragen auf die Fertigkeit Fajin (explosive Bewegung) bedeutet das: es muss erst das Fangsong geübt und verstanden werden, um Fajin nutzen zu können. Fajin ( Fa = schicken; Jin = Energie) wird erst wirksam, wenn der Körper die Energie durch einen entspannten Zustand ohne Blockade und „geöffneten“ Gelenken (Fangsong) durchlassen kann. Das wird durch verschiedene Qigong – Übungen (z.Bsp „Seidenübung“) und spezielle Fangsong – Übungen trainiert, bis der Körper als Einheit bewegt werden kann (drei innere und äussere Harmonien – „nei san he“ und „wai san he“)

Ohne die Fähigkeit von Fangsong fehlt uns auch die Fähigkeit der „klebenden Hände“, da unsere Arme entspannt sein müssen. Wir können nicht schnell schlagen, wenn die Schultern nicht locker sind. Um die Kraft des Partners/Gegners zu spüren, müssen wir entspannt genug sein, um selber fühlen zu können. Dazu brauchen wir die Entspannung und Gelassenheit, die uns der Zustand des Fangsongs gibt. Wir benutzen unsere Kraft oft gegen eine andere Kraft. Z. Bsp. wenn ein Gegner Druck auf uns ausübt und wir dagegen arbeiten. Das hat zur Folge, dass die stärkere Kraft gewinnt. Man sollte jedoch nicht gegen diesen Druck angehen, sondern seinen Körper entspannen, die Kraft annehmen und transformieren.

Um sein Fangsong zu verbessern sollte man bei seinen Übungen folgende Punkte beachten:

· Korrekte Struktur

· Weniger Kraft benutzen und stets entspannt sein

· Mit jeder Übung versuchen, weniger Spannung aufzubauen

· Nicht zu verbissen üben, sondern immer wieder Zeit für ein Lächeln finden

Nachfolgend möchte ich das Fangsong-Prinzip exemplarisch bei der Anfangsbewegung in der Taiji-Form erklären: „das Qi wecken“. Diese Bewegung ist nicht einfach nur eine Bewegung. Um das Qi zu wecken, sollten verschiedene Zustände und Prinzipien durchlaufen werden. Die Armmuskeln sollten weich wie warme Butter sein. Erst sollte der Fokus auf den Fingern und der Hand liegen. Ist diese entspannt, geht es weiter zu den Handgelenken, Ellenbogen, Schultern, Nacken und Brustkorb. Dieses Prüfen soll erst die Muskeln entspannen. Danach kontrolliert man genau so die Sehnen, dann die Bänder. Wichtig ist es, keinen Schritt zu überspringen. Erst danach wird der Fokus auf das Entspannen der Nerven gelegt. Die Nerven sagen den Muskel, was zu tun ist. Melden sich die Nerven beim Entspannen, sollte man einfach inne halten und von vorne beginnen. Hierbei sollte wie schon erwähnt nicht zu viel Ehrgeiz zeigen, denn geistige und körperliche Entspannung gehört zusammen. Danach „öffnet“ man die Gelenke. Bei wirklicher Entspannung wird das Öffnen der Gelenke spürbar. Die Gelenke werden von Blutgefäßen umgeben. Wo das Qi hingeht, geht auch das Blut hin. So hat der Qi-Fluß eine gute Durchblutung zur Folge. Dieser Zustand ist wichtig bei Qi Behandlungen, Kampfkünsten, und für ein langes und gesundes Leben.

Zusammenfassend gesagt:

1. Entspannung (Fangsong) lässt das Qi sinken

2. das gesunkene Qi führt dazu, dass „innere“ Bewegungen im Körper entstehen.

Letztere sind für das Auge nicht zu sehen. Sehr wichtig dabei ist es, Absicht und Geist/Verstand zum Lenken des Qi zu benutzen.

 

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