Peng

Als erste der acht Grundtechniken (Peng, Lu, Ji, An, Cai, Lie, Zhou, Kao) im Taijiquan wird „Peng“ (ausdehnen) genannt, weil „Peng“ auch in jeder anderen Grundtechnik als Basis enthalten ist. Deshalb muss als erstes diese Technik verstanden werden, damit die folgenden Techniken Lu, Ji, An usw. funktionieren.

„Peng“ wird oft mit „ward-off“, abwehren übersetzt. Meiner Meinung nach ist diese Übersetzung aber nicht ganz treffend, weil diese Energie ja auch „annimmt“ und dann ableitet. Also entweder die Kraft aufnimmt und wieder an den Angreifer abgibt, oder die Energie des Angreifers ins Leere laufen lässt.

Der Vorteil vom Verständnis des „Peng Jin“ ist (hier ist Jin als Energie zu verstehen. „Peng Jin“ ist eine flexible innere Kraft. Vergleichbar mit einer Feder, die zusammengedrückt wird und dann beim ausdehnen ihre Kraft abgibt. Oder wie Bambus, der nachgibt aber unter Spannung wieder zurückkommt), dass die „rohe“ Kraft des Gegners aufgenommen, absorbiert und kontrolliert werden kann. Hierfür muss man nicht stärker als die ankommende Kraft sein, da ja nicht „gegen“ die Kraft gearbeitet wird, sondern diese transformiert wird.

Um Peng anwenden zu können, muss die Struktur nach Taijiquan-Prinzipien da sein, als auch ein Gefühl für innere Kraft/innere Bewegungen. Peng ist das Ausdehnen des Körpers, während er entspannt bleibt (siehe Blogeintrag „Fangsong“). Ohne entspannt zu sein, ist der Körper nicht nachgiebig und Peng kann nicht entstehen. Fehlt dem Körper die Struktur, ist er zu „schlaff“, kann Peng nicht entstehen. Meistens liegt es an Schulter oder Hüfte, die zu steif oder zu schlaff sind, wenn sich Peng nicht aufbauen kann.

Die Handformen im Taijiquan eignen sich gut als Peng-Training. Ist das Prinzip einmal verstanden, kann man diese Fähigkeit mit Ausübung der Basic-Übungen und der Form gut weiterentwickeln. In Basic-Übungen der „5- Tiere“ und den 13er Wudang-Formen sind die Grundtechniken deutlich zu erkennen.

Ein paar Vergleiche sollen das Prinzip bei Peng Jin verständlicher machen:

Qi soll im Körper ohne Hindernisse fließen können. Ist das Gefühl von Qi von Fuß– bis Fingerspitzen da, ist der energetische Zustand Peng vorhanden. Durch die ausdehnende Kraft von Peng wird der Körper geschützt. Härten sich in sogenannten „äusseren“ Kampfkünsten wie Shaolin die Übenden z.Bsp.  mit Schlägen gegen die Wand ab, so schützt das Verständnis von Peng den Körper, ohne ihn mit Übungen zu schädigen – sondern im Gegenteil, ihn ohne zwangsläufige Verletzungsrisiken zu kräftigen. Man kann sich das so vorstellen, als wäre ein rohes Ei in einem mit Wasser gefülltem Ball. Die eingehende Kraft wird vom Ball absorbiert. Ist dieser Ball in einem weiteren, mit Wasser gefüllten Ball, wird es nahezu unmöglich, das rohe Ei zu zerstören. Das Ei steht sinnbildlich für unsere Organe und der Ball mit unserem Körper und das Wasser für Qi.

Peng Jin in der Anwendung verhält sich wie ein aufgeblasener Ball, der von einem Stock geschlagen wird. Der Ball drückt sich etwas zusammen und gibt die Kraft wieder ab. Der Stock prallt ab. Je stärker der Schlag, umso stärker der Rückprall.

Um Peng Jin zu lernen, muss man sich als „Einheit“ bewegen. Die Verbindung zwischen Handgelenke und Fußgelenke, Knie und Ellenbogen und Hüfte und Schulter spüren.

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